‚ Perlen ’ in Luzern – Was erzählt der Löwe? – Denk mal!

Lade Karte ...

Datum/Zeit
Date(s) - 18/08/2017
17:30 - 19:30

Veranstaltungsort
Löwendenkmal

Kategorien


Was erzählt der Löwe …?

Das Löwendenkmal begeht im Jahr 2021 seinen 200. Geburtstag. Zum 225. Mal jährt sich der Grund, warum es zum heute weltberühmten Monument gekommen ist: Am 10. August 1792massakrierte in Paris eine mehrtausendköpfige, entrüstete Volksmenge rund 300 Schweizergardisten, die im Sold des Königs von Frankreich sein Stadtschloss in den Tuilerien verteidigten. Dieser Akt führte in Frankreich zum Sturz der Monarchie. Für die die eidgenössischen Orte endete damit eine rund 300-jährige Tradition der lukrativen Fremden Dienste am französischen Hof. Sechs Jahre später war es 1798 auch mit der Alten Eidgenossenschaft vorbei. Mit dem Löwen wollte dann 1821 zur Zeit der Restauration eine politisch konservative Sicht der Helden von 1792 sowie des gewaltsamen Endes des Ancien Régime gedenken. Diese Interpretation des Tuileriensturms kann man heute allerdings so alleine nicht mehr gelten lassen: Denn die Revolution von 1792 führte zur ersten französischen Republik, zur Grundlage des heute in Europa üblichen modernen Verfassungsstaates, in dem Menschen- und Bürgerrechte garantiert sind. Fünfeinhalb Jahre später wirkte diese Modernisierung auch auf Luzern, als sich am 31. Januar 1798 die Aristokratie sogar selber absetzte.

Drei Monate später, am 12. April, wurde in Aarau die helvetische Republik mit der ersten nationalen Verfassung gegründet. Im Herbst 1798 wurde Luzern erste gewählte Hauptstadt. Sicher, dieser erste Schweizer Nationalstaat scheiterte grandios, dennoch markiert er den Anfang des Weges zum heutigen Bundesstaat, der Schweizerischen Eidgenossenschaft. Der Opferort Löwendenkmal ist auch ein Erinnerungsort an die Anfänge unserer heutigen modernen, gesellschaftlichen und rechtsstaatlichen Werte.
Was der Löwe 2017 erzählen kann, wollen junge HistorikerInnen und Geschichtsinteressierte unter meiner Leitung auf einem rund 90-minütigen Rundgang in Luzern aufzeigen, der vom Bourbaki-Gebäude über den Löwenplatz durch einen alten Bunker bis vor das Löwendenkmal führt. Wir beginnen diese Zeitreise in unsere Geschichte im patrizischen Luzern Ende des 18. Jahrhunderts; zentraler Inhalt ist der Söldnerhandel mit dem französischen Hof. Ereignisse aus den Revolutionsjahren 1789 bis 1792 in Paris werdenin einer Kaverne und einem Tunnel vermittelt. Wie man sich 1889 in Luzern zur Zeit des aufkommenden Tourismus den Tuileriensturm vorgestellt hat, zeigen wir im Denkmalpark mit vier monumentalen
Bildstelen, die Ausschnitte eines 5×10 m grossen Historiengemäldes sind, das wir anfangs Jahr digitalisiert haben.
Am Schluss stehen wir unter der französischen Trikolore und blicken links vom Löwen auf die Flagge der helvetischen Republik von 1798. Wir diskutieren, ob das heutige Wahrzeichen Luzerns mehr einepochaler „End“- oder eher ein „Anfangs“-Erinnerungsort ist.

Luzern 12. Juli 2017,

Jürg Stadelmann

pdf Einladung Tuileriensturm