Besuch in Potsdam 4.6.2026 bis 7.6.2026
Nach individueller Anreise starteten wir am Donnerstagnachmittag unseren diesjährigen Besuch in Potsdam mit einer Führung von der Glienickerbrücke entlang dem ehemaligen Grenzzaun zwischen West- und Ostdeutschland. Hier wurde die besondere Geschichte von Potsdam präsent und erlebbar, zumal unser Gruppenleiter selbst als Kind miterlebt hat, dass er zwar einen Turm auf der anderen Seite des Flusses sah, diesen aber nie besuchen konnte. Das gemeinsame Nachtessen im fliegenden Holländer brachte uns mit echt deutscher Küche auch kulinarisch auf Kurs.
Der Ausflug am Freitag nach Beelitz mit Tram und Zug brachte uns in die Zeit um 1900. Da herrschten v.a. in Berlin bei der FabrikarbeiterInnen prekäre Lebensverhältnisse. Viele wurden lungenkrank und waren somit nicht mehr arbeitsfähig. Das war für die Fabrikbetreiber keine gute Situation. Auch Ärzte und Regierung waren besorgt und suchten nach Lösungen. So wurde das Sanatorium Beelitz gebaut und in Betrieb genommen. Die Gebäude wurden sehr stabil und schön gebaut. Die Behandlung war nach den damaligen neusten Erkenntnissen umfassend, das Essen war frisch und reichhaltig, die Umgebung inmitten von Wäldern ruhig und erholsam. Im Ersten und Zweiten Weltkrieg dienten die Beelitz-Heilstätten als Lazarett und Sanatorium für erkrankte und verwundete Soldaten. Das Gelände wurde 1945 von der Roten Armee übernommen. Heute ist da eine weitläufige Parkanlage, wo ein paar der alten Gebäude mit Führungen besichtig werden können. Der Spaziergang über den Baumwipfelpfad gab dem Ausflug einen schönen Abschluss.
Abends waren wir eingeladen zu einem gemeinsamen Abendessen mit unseren Kolleginnen aus Potsdam. Alle anwesenden Mitglieder von Potsdam haben ein Lieblingsgericht aus der Zeit der Wende mitgebracht. So kam ein reichhaltiges und sehr leckeres Essen zusammen. Sogar die Oberbürgermeisterin Noosha Aubel beehrte uns mit ihrem Besuch.
Der Samstag begann mit dem Besuch des „Wissenschaftspark Albert Einstein“ auf dem Potsdamer Telegrafenberg. Dort befindet sich der wissenschaftshistorisch sehr interessante Große Refraktor, das viertgrößte Linsenteleskop der Welt, immer noch funktionstüchtig. Sehr eindrücklich war auch das Relikt aus der Anfangszeit als die Telegrafie.
Einen anderen Eindruck gab uns am Nachmittag der Besuch des Jagdschlosses Stern, errichtet 1730 bis 1732 vom Soldatenkönig Friedrich Wilhelm I. im Stil eines schlichten holländischen Bürgerhauses. Geführt wurden wir von Lothar Müller, (Ehemann von Birgit Müller, der Präsidentin des hiesigen Vereins Potsdam/Luzern).
Während die einen den Tag mit dem Besuch eines Jazzkonzert abschlossen, genossen die andern, zusammen mit den nun eingetroffenen Teilnehmerinnen des Schlösserlaufs ein chinesisches Essen.
Der Sonntag begann mit einem Spaziergang zum Marmorpalais. Unterwegs kreuzten wir die Läufer des Schlösserlaufs, die es weniger gemütlich nehmen konnten. Das Marmorpalais liegt romantisch auf einer Terrassenanlage direkt am Seeufer im Neuen Garten. König Friedrich Wilhelm II. ließ das mit schlesischem Marmor verkleidete Bauwerk 1787–1793 als Sommerresidenz errichten. Sein Architekt Carl von Gontard schuf damit das erste und einzige preußische Königsschloss im Stil des Frühklassizismus. Dem musisch veranlagten und dem Gedankengut der Rosenkreuzer verbundenen König diente Schloss und Garten als privater Rückzugsort. Obschon das Palais auch Kriegsschäden erlitten hatte, blieb viel intakt. Der Rest wurde sorgfältig restauriert, so dass es heute wieder in seiner vollen Pracht zu bewundern ist.
Neben der Bewunderung für die kostbare Ausstattung stimmt nachdenklich, dass die Herrschenden sich damals einfach ihre Privilegien genommen haben, um solche prachtvollen Bauten zu erstellen, während die einfache Bevölkerung kaum genug zu essen hatte. Heute wie damals sind Privilegien sehr ungleich verteilt, nur sind die Unterschiede heute vielleicht etwas weniger offensichtlich.
Wir jedenfalls hatten das Privileg, nach Potsdam zu reisen, Freunde zu treffen, neue Bekanntschaften zu machen: eine gelebte Städtepartnerschaft seit bald 25 Jahren.